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PIZZA AMORE

Das Hü und Hott der Liebe
Zuschauerrekord, begeisterte Sponsoren und Filmemacher, die auf Händen getragen wurden.

7. Landshuter Kurzfilmfestival mit viel Niveau und viel Gefühl

Über 3000 Zuseher, mithin wieder steigende Zuschauerzahlen, weiter wachsender Erfolg: So sah am Sonntag Abend das erste Resümee des 7. Landshuter Kurzfilmfestivals aus. Und auch der Abschlussabend glänzte durch enormen Zuspruch: Eine lange Schlange vor dem Jugendkulturzentrum Alte Kaserne sorgte dafür, dass die Preisverleihung reichlich verspätet begann - und dann natürlich doch den üblichen Charme versprühte. Jungfilmer, die ob ihres Triumphs sichtlich um Worte rangen, eine Jury, die mindestens genauso aufgeregt war wie die Preisträger, und ein Publikum, das mit gutem Stehvermögen bis Mitternacht die Gewinnerfilme goutierte.

"Mir gefällt's hier viel besser als beim Oscar", sagte Julian Friedrich, Pressesprecher des BMW-Werks Landshut, bei der Preisvergabe. BMW sponsert die Jury- und Kinderfilm-Preise beim Festival, und weil von den drei Preisträgern keiner da war, schilderte eben Friedrich gestenreich die Schönheit der mit dem Preis verbundenen Trophäe und die Attraktivität des Festivals ("habe mich mitziehen lassen"), um dann gleich noch die weitere - quasi: ewige - Verbundenheit der Autobauer mit den Filmemachern zu versprechen.

Es sind derlei Spontaneitäten, die das Landshuter Filmfestival seit jeher prägten und die viel von seinem Charme des leicht Ungeplanten ausmachen. Da gibt es dann auch immer so Geschichten wie die der zweiten Siegerin im Publikumspreis, Maria Anna Rimpfl, die von der Bühne herab erzählte, dass sie das Preisgeld schon allein deshalb gut brauchen könne, weil ihr in der rauschenden Nacht der Festivalparty in der Skylight-Lounge das Auto aus der Neustadt abgeschleppt wurde: "Mein Preisgeld bekommt wohl die Stadt."

Runde Sache, runder Abschluss

Die Schäden besagter Party hielten sich ansonsten in überschaubaren Grenzen, abgesehen davon, dass tatsächlich und wortwörtlich bis in die Morgenstunden getanzt und gefeiert wurde. "Wenn ich etwas blass aussehe", sagte Moderator Christoph Bauer, bevor er die Preisvergabe ankündigte, "dann hat das mit der Qualität des Festivals zu tun." Und Michael Orth, der Chef des veranstaltenden Vereins Dynamo Kurzfilm, murmelte hinter den Kulissen etwas von gefühlten 20 Caipirinhas - es waren natürlich bei weitem weniger -, aber im Jugendkulturzentrum holten alle Dynamos und ihre Helfer noch einmal das Letzte aus sich heraus, um einer runden Sache zu einem runden Abschluss zu verhelfen. Sie wurden - völlig zu Recht - gefeiert.

70 Nachwuchscineasten vor Ort

Ansonsten standen die Gewinnerfilme im Mittelpunkt (siehe nebenstehenden Kasten) eines Festivals, auf dem, wie es einer der 70 erschienenen Regisseure formulierte, "die Filmemacher auf Händen getragen werden". Wobei man feststellen konnte, dass nach wie vor Ernsthaftigkeit das Treiben der Nachwuchscineasten prägt. So befassten sich zwei Jurypreisträger ("Herr Goldstein" und "Swan Song") mit dem Thema Liebe im Alter - und dies überaus berührend. Andere Gewinnerfilme - "Echos" und vor allem "Wolfstraum" - kamen eher als Sammelsurium von Schockelementen daher. Süß: Die "Pizza Amore", ein Film über das Hü und Hott der Liebe. Zu Beginn der Veranstaltung lernte das Publikum, dass die Kombo "Kein Vorspiel" nach wie vor überaus fetzige Brassmusik zu spielen in der Lage ist. Und vom talentierten Bamberger Kabarettisten Götz Frittrang war zu erfahren, wie schwer es ein Germanistikstudent in Kommilitoninnenrunden hat, wenn er statt Literaturverfilmungen lieber Actionkino schaut. Da kann man schon mal die "Effi Briest"-Verfilmung nach der Hälfte aufgeben, "weil noch nichts explodiert ist". Außerdem klärte Frittrang darüber auf, wie lächerlich Leute die Vogelgrippehysterie finden, wenn sie unter der ständigen Bedrohung eines Atomangriffs aufwuchsen. "Gibt es hier eigentlich einen Film über die Vogelgrippe ?", fragte er. Antwort: Das nicht. Aber viele andere. Nächstes Jahr wieder.

Michael Orth wurden bereits die ersten Bewerbungen fürs 8. Landshuter Kurzfilmfestival vom 22. bis 25. März 2008 zugestellt.

(von Uli Karg/Christian Muggenthaler, erschienen in der "Landshuter Zeitung" vom 28.03.2006)




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